Wirtschaftlichkeit

Sind Kurzumtriebsplantagen konkurrenzfähig zum Marktfruchtanbau?

 

Die Antwort ist ja!

Sommer 2020. Nach überdurchschnittlich trockenen und warmen Jahren sind die ersten Folgen des Klimawandels unübersehbar. Der Wald kämpft ums Überleben, für die Aufarbeitung von Käferholz gibt es Zuschüsse und der Holzmarkt ist bei einem Schadholzanteil von über 60 Prozent preislich im Keller. Wenig verheißend für die Wirtschaftlichkeit von Kurzumtriebsplantagen – sollte man meinen.

Doch „viel Schadholz heute bedeutet weniger Holz morgen„. Erstes unübersehbares Zeichen ist der scharfe Preisanstieg im Bauholz 2021. Mit Einführung der Co2-Abgabe, flankiert von einer 45-Prozent Einbauförderung von Hackschnitzel- und Pelletsheizungen steigt nun auch der Bedarf an Energieholz rasant. Die Ampel für den Anbau ist also auf Grün gesprungen. Denn Holz vom Acker ist ungemein günstig im Anbau.

Anbau im Eigenbedarf

Eigentlich liegt auf der Hand, daß sich der Anbau einer Kurzumtriebsplantage immer lohnt, wenn das Holz direkt in der eigenen Hackschnitzelheizung genutzt wird, also direkt Öl oder Gas ersetzt. Denn mit der Anlage von einem Hektar Energiewald können pro Jahr 4.000 – 7.000 Liter Heizöl oder 40.000-70.000 kWh Gas ersetzt werden. Dabei ersetzt eine Tonne  Holz atro (= TM ohne Wasser) vom Energiegehalt her ca. 500 Liter Heizöl. Doch was kostet mich Holz vom Acker als Brennstoff? Und wie setzen sich die Vollkosten pro Tonne atro zusammen?

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Vollkostenkalkulation pro Tonne Holz atro im „Mittleren Umtrieb“

1. Ernte nach 8 Jahren 2. Ernte nach 15 Jahren
Zuwachs pro Jahr und Hektar 9 t atro 12 t atro
Erntemenge 72 t atro 84 t atro
Flächenanlage (inkl. Pflege) 1.850,00 €
davon (Pflanzung & Pflanzgut) 1.400,00 €
=> Amortisation p.a. (bei 20 Jahren & Zinsaufschlag 30%) 120,25 €

 

Kosten pro t atro Kosten pro t atro
Amortisation Flächenanlage 13,36 € 10,02 €
Erntekosten (Fällen & Rücken) 37,50 € 37,50 €
Hacken 17,50 € 17,50 €
Logistik 7,50 € 7,50 €
Rekultivierung 7,50 € 7,50 €
Pacht  / Flächenprämie 0,00 € 0,00 €
Vollkosten /  t atro 83,36 € 80,02 €
Vollkosten / t lutro (20% Wassergehalt) 66,69 € 64,02 €

 

Setzt man die Vollkosten von ca. 80,00 EUR für 1 Tonne Holz atro energetisch ins Verhältnis zu einem Liter Heizöl oder einer kWh Gas so würde ein Liter Heizöl nur 16 Cent kosten bzw. eine kWh Gas nur 1,6 Cent . Dies entspricht ca. 25-35 % der aktuellen Haushaltpreise für Öl und Gas.

Interessant für alle die noch keine Hackschnitzelheizung haben. Der Bund fördert seit 2020 den Einbau von Holzheizungen mit bis zu 45 % und man spart die Co2-Abgabe.

Hier können Sie die Fördermittel der BAFA berechnen:

INTELLIGENT-HEIZEN.INFO/FOERDERMITTEL-ONLINE-TOOL/

 

Die CO2-Abgabe (macht KUP zum sicheren Geschäft)

2021 begannt der Einstieg in die CO2-Bepreisung von Wärme & Verkehr. Das Schöne – da die CO2-Abgabe auf Holzheizungen entfällt, ist der Kostenvorteil gegenüber Öl und Gas bei Eigennutzung von Holz ist erheblich und unabhängig vom Holzpreis. Der Startpreis liegt bei 25 EUR / Tonne CO2. Sechs Jahre später sind es bereits 65 EUR. Von einem moderaten Einstieg spricht die Politik. Und Fachleute gehen unisono für 2030 von einem Mindestpreis von 100 EUR für CO2 aus.

Nachfolgende Tabelle spiegelt den Effekt der CO2-Ersparnis wieder.

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Je nach Perspektive kann man diesen „Opportunitätsgewinn“ als Kostenvorteil gegenüber einer Öl- und Gasheizung  a) bei seinen  „Holz“heizkosten verbuchen, oder b) seinem internen Holzpreis bzw. dem c) Ertrag pro Hektar KUP zuschlagen.

Beispiel/Erläuterung:

Wer auf eine Hackschnitzelheizung umgestiegen ist spart (zur ersten Ernte) 2028 eine CO2-Abgabe von 85 EUR/t.Der Heizkostenvorteil gegenüber Öl beträgt im Beispiel alleine für das Kalenderjahr 2028 ca. 2.252 EUR. Hängt die Entscheidung für die Heizung u.a. mit dem KUP-Anbau zusammen – könnte man diese sichere Ersparnis dem internen Verrechnungspreisen für Holz oder dem Hektar zuschlagen – Zusatzertrag pro Hektar 1.126 EUR pro Jahr.

Damit wird aus KUP-Anbau und Nutzung ein sicheres Geschäft.

Vermarktung – Energie- & Stammholz

Kombi-KUP – zusätzliche Erträge durch Stammholzproduktion

Im Kombi-KUP Anbauverfahren wird neben Energieholz auch bis zu 50 % Stammholz produziert. Der ökonomische Vorteil ist erheblich. Neben höheren Erlösen für Stammholz spielen hierfür nicht nur die korrespondierenden niedrigeren Erntekosten eine Rolle (Stückmassegesetz). Der wesentliche Vorteil gegenüber der Energieholzproduktion: es entfallen das aufwendige Hacken und zusätzliche Kosten für die Logistik, da Stammholz üblicherweise frei Feldrand vermarktet wird (siehe auch Eigenbedarf  Vollkostenkalkulation).

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Ideal eignet sich Pappelstammholz im Bereich des Verpackungsholzes. Korrespondierend der  Preisentwicklung hierzu: LINK Holzmarkt

Mehr zum Thema Kombi-KUP, Wirtschaftlichkeit und Vermarktung: Kombi-KUP


Energieholz

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit für Energieholz aus der Kurzumtriebsplantage?

Nahezu alle in der Vergangenheit durchgeführten Studien kommen hierbei zu folgendem Ergebnis: Kurzumtriebsplantagen sind in der Mehrzahl der Fälle wirtschaftlich konkurrenzfähig mit landwirtschaftlichen Fruchtfolgen. (Quelle: Wagner, Kröber, Hank – Universität Halle-Wittenberg).

In allen Rechenmodellen wurde allerdings ausschließlich auf eine rein energetische Nutzung des KUP-Holzes abgestellt und keine Stammholzproduktion wie im Kombi-KUP Verfahren in Betracht gezogen.

Unserer Einschätzung nach wird die Holz- & Energieholznachfrage und damit der Hackschnitzelpreis in Zukunft stark und sprunghaft ansteigen. Maßgeblich hierfür sind die endlich begonnenen Klimaschutzmaßnahmensowie das Klimaschutzgesetz von 2021 (Stichworte: CO2-Abgabe, Einbauförderung von Holzheizungen, WAldumbau, Senkeleistung Wald erhöhen).

Da der zu erwartende Preisanstieg eher sprunghaft ausfallen wird, sind geglättete Deckungsbeitragsverläufe, wie sie in einer 20 Jahres-Betrachtung angestellt werden, aus aktueller Sicht wenig aussagekräftig. Daher präsentieren wir hier auch keine klassische Deckungsbeitrags- oder Annuitätenrechnung.

Hinweis: Die Inflationserwartung spielt für kalkulatorische Deckungsbeiträge eine entscheidende Rolle. 

Sie wollen Ihren Deckungsbeitrag dennoch errechnen? Wir helfen Ihnen gerne beim Definieren realistischer Daten!

Holzmarkt: Preise und Nachfrage

Klar ist  – tote Bäume heute bedeuten auch weniger Holz morgen. Mehr Klimaschutz bedeutet weniger Holzeinschlag im Wald. Und CO2-Abgabe und Förderung von Holzheizungen und Holzbau führen gesichert zu einer erhöhten Nachfrage nach Holz.

Bei einer Prognose die Preise der Vergangenheit bis heute einfach bis zur Ernte fortzuschreiben macht kaum Sinn. Was mit Holzpreisen passiert wenn das Angebot knapp ist, kann jeder am eratischen Anstieg der Bauholzpreise 2021  sehen. Trotzdem sollte man die Preisentwicklung auf den für Kurzumtriebsplantagen interessanten Märkten für Holzhackschnitzel und Verpackungsholz (Stammholz) im Blick haben.

Der Mittelpreis für Holzhackschnitzel mit einem Wassergehalt von 35% liegt in Q1/2021 nur bei 75,42 EUR / t  – dies entspricht 116,03 EUR / t atro TM

Quelle: https://www.hpe.de/preisindex.html

Heizwert verschiedener Baumarten (t atro / SRM / kWh)

Für die im Energiewald angepflanzten Pappel- und Weidensorten im Kurzumtrieb werden in Studien folgende Werte errechnet:

  • 1 t atro (TM) = 5 bis 5,2 kWh / kg oder 5 bis 5,2 MWh pro t atro (vor Abzug von Kondensationsverlusten für die Verdampfung des Wassers im Holz)
  • entspricht 6,5 bis 7 SRM
  • Wassergehalt bei frischem Holz: meist ca. 52-58 %

Allgemein gilt: wird Holz nach Gewicht abgerechnet, gibt es weder beim Brennwert noch beim Heizwert große Unterschiede zwischen den Baumarten. So hat bei gleichem Wassergehalt 1 kg Holz aus Pappel oder Weide einen sehr ähnlichen Energiegehalt wie Buche oder Fichte.  

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Die nachfolgende Tabelle zeigt den Heizwert pro kg oder Schüttraummeter bei unterschiedlichen Baumarten und Wassergehalt (z.B.: 1 kg Pappel- / Buchenholz hat bei 20 % Wassergehalt einen Heizwert von 3,86 kWh):

Heizwert in KWh
Baumart/
Dichte
Bezugsgröße Wassergehalt in %
0 15 20 30 50
Buche kg 5,00 4,15 3,86 3,30 2,16
558 kg TM/ fm SRM 1116 1089 1078 1051 964
Fichte kg 5,20 4,32 4,02 3,44 2,26
379 kg TM/ fm SRM 788 770 763 744 685
Kiefer kg 5,20 4,32 4,02 3,44 2,26
431 kg TM/ fm SRM 896 876 867 846 779
Pappel kg 5,00 4,15 3,86 3,30 2,16
353 kg TM/ fm SRM 706 689 682 665 610

(Quelle LWF Merkblatt 12)

Unterschiede ergeben sich aber in der Dichte – also dem spezifischen Gewicht pro Festmeter oder Schüttraummeter (SRM). So hat ein SRM Buche fast 50 % mehr Gewicht = Energie als das Holz der Fichte – also bei gleichem Volumen!

Weiteres Qualitätsmerkmal im Hinblick auf den Heizwert ist der Wassergehalt. Wird Brennholz nach Gewicht abgerechnet, ist der Wassergehalt von großer Bedeutung. Denn ein Wassergehalt von 50 % bedeutet, dass bei 1 t frischem Holz tatsächlich 500 kg Wasser mitgeliefert werden. Folgende Begriffe zum Wassergehalt sind hier geläufig:

Absolut trockenes Holz ( atro): w (Wassergehalt) = 0 %
Lufttrockenes Holz (lutro): w = 15%-20%
Lagerfähig: w < 30-35%
Frisch geschlagenes Holz: w > 50%

Zudem gilt: Wasser brennt nicht! Bei der Bestimmung des tatsächlichen Heizwertes und der Verbrennung von Holz muss zunächst das im Holz enthaltene Wasser verdampft werden. Dazu werden 0,68 kWh je kg Wasser benötigt. Zieht man die zur Verdampfung des Wassers benötigte Energie von der in der verbleibenden Trockenmasse enthaltene Energie ab, erhält man den Heizwert. Wenn man frisches Holz mit 50% Wassergehalt verbrennt, benötigt man damit 0,68 kWh / 5,2 kWh = 13 % der im Holz eigentlich enthaltenen Energie. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Fazit: Wer Holz kauft, sollte – wenn nach Gewicht abgerechnet wird – den Wassergehalt in Prozent  kennen. Erfolgt die Abrechnung nach Volumen (SRM oder FM), ist der Heizwert der Baumart pro SRM wichtig, also die Dichte (sprich das spezifische Gewicht).