Quelle: TLLLR – Thüringen

Mehr Agroforst wagen

Mit der Natur arbeiten ist für uns Landwirte sicherlich eine der schönsten und zugleich schwierigsten Aufgaben. Ein Schlüssel hierzu ist es, Symbiosen zwischen Organismen zu erkennen und das positive Wechselspiel von Lebensgemeinschaften zu nutzen. Agroforstwirtschaft ist in diesem Zusammenhang ein vermeintlich vergessener Baustein in der Landwirtschaft.

Was ist Agroforst?

Von einem Agroforstsystem spricht man, soweit auf ein und derselben Fläche Bäume und Sträucher mit Ackerkulturen oder Grünland kombiniert werden und hierbei ein ökologischer & ökonomischer Vorteil zwischen den Einzelkomponenten entstehen, (X > 1+1). Dies schließt eine Weidetierhaltung durchaus mit ein.

Beispiele:

Streuobstwiesen, Gehölzstreifen wie Hecken oder Knicks oder neuerdings auch Energie- & Wertholzstreifen auf dem Acker, Gewässerschutzstreifen, Waldgärten oder unsere Pappelstreifen in Hühnerausläufen!

Die Vorteile

Die Vorteile, die durch Bäume und Baumstreifen entstehen können, sind vielschichtig, da häufig zusätzlich zum direkten landwirtschaftlichen Produkt bspw. Weizen/Holz/Apfel oder Holz/Weide /Tierschutz zusätzliche positive Effekte hinzukommen. Oft sind diese sogar ursächlich für die Anlage eines Agroforstsystems! So der Erosionsschutz gegen Wind, Starkregen oder der Spritzschutz am Gewässerrand, ein positiver Humusaufbau (C02-Speicherung – Carbon Farming), die Verbesserung des Mikroklimas, eine Verminderung von Nitrateinträgen, Verbesserung des Wasserhaushalts (Keyline Design), die Erhöhung der Biodiversität, Lebensraum für Nützlinge, Biotopvernetzung und vieles, vieles mehr.

Im oberen Bild sieht man einen Agroforststreifen am Gewässerrand.

Das Foto zeigt Energieholz-/KUP-Streifen, eine Agroforst-Variante
(Quelle: TLLLR – Thüringen).

Rechtliches, die neue GAP & Eco-Schemes

Mit wenigen Ausnahmen ist Agroforst bislang als eigene landwirtschaftliche Nutzung im Rahmen der deutschen Agrargesetzgebung weder eindeutig definiert noch anerkannt. Für viele Gestaltungsformen fehlt der Nutzungscode und es gibt keine Förderung und/oder eine völlig unbefriedigende Rechtssituation.

Was heute schon geht, sind Gestaltungsformen wie die „Streuobstwiese“, „Landschaftselemente“ oder die „Kurzumtriebsplantage“ im Streifenanbau, so auch im Kombi-KUP-Verfahren.

Mit der Einführung der neuen GAP 2023 und den sogenannten ECO-Schemes könnte sich für Agroforst vieles zum Positiven ändern. Damit dies gelingt, engagieren wir uns mit vielen anderen Gleichgesinnten im neu gegründeten Agroforst-Fachverband DEFAF.

Agroforst-Projekte

Falls Sie eine Agroforstfläche anlegen wollen, Beratung wünschen oder bereits konkrete Vorstellungen haben melden Sie sich! Je nach Aufgabenstellung beraten wir selbst oder stellen Kontakt zu Praktikern innerhalb unseres Netzwerks her. Denn Agroforst ist in jedem Fall eine gute Sache! Mehr Infos zum Stöbern und Download auf der Homepage des DEFAF  www.agroforst-info.de